Camp-Ordnung

Wir sind das Camp!

Das ist ein kollektiv organisiertes Camp. Das bedeutet, dass wir mitverantwortlich dafür sind, dass das Camp ordnungsgemäß funktioniert, aufgeräumt bleibt und sich alle wohl fühlen. Während der Plenarsitzungen werden Aufrufe zur Erfüllung bestimmter Aufgaben gemacht. Das kann alles sein, von der Zubereitung des Essens, dem Geschirrspülen und der Besetzung des Infozeltes bis hin zur Reinigung der WCs oder der Übernahme einer Schicht als Wächter*in.

Wenn du siehst, dass sich Menschen schlecht benehmen, rede mit ihnen. Räumt nicht nur euren eigenen Müll weg, sondern auch jeden Abfall, den andere vergessen haben.

Hier sind einige Regeln und Richtlinien, um das Camp zu einem angenehmen Erlebnis für alle zu machen. Lest diese bitte in aller Ruhe. Einige Regeln oder Richtlinien mögen neu für dich sein. Versuche bitte, für neue Perspektiven offen zu sein. Geht freundlich miteinander ins Gespräch und versucht euch in eure Mitmenschen hineinzuversetzen.

Allgemeines Verhalten

Das Camp ist ein ‘sicherer Raum’ und wir wollen ein gutes und sicheres Gemeinschaftsgefühl schaffen. Diskriminierung und Unterdrückung sind daher nicht geduldet. Rassismus, Sexismus, Ableismus (Diskriminierung und Marginalisierung von Menschen mit einer Behinderung aufgrund ihrer körperlichen und/oder geistigen Verfassung), Klassismus, Homophobie, Transphobie und Islamophobie sind nicht erlaubt. Sexuelle Gewalt und Übergriffe werden nicht toleriert. Wenn ihr etwas sagt oder tut, was gegen die Camp-Ordnung verstößt – dann müsst ihr die Konsequenzen für euer Verhalten tragen. Stellt euch bitte darauf ein und versucht zu verstehen und zu lernen, anstatt euch defensiv zu verhalten. Wenn du eine der oben genannten Erfahrungen gemacht hast oder etwas derartiges beobachtest und das melden möchtest, dann tue dies im Infozelt oder bei einer unserer Vertrauenspersonen (Telefonnummern sind im Infozelt angegeben).

Journalist*innen im Camp

Die Arbeitsgruppe Medien und Kommunikation (MECOM) hat ein Protokoll für Journalist*innen erstellt. Auf diese Weise wollen wir es allen ermöglichen, sich im Camp sicher zu fühlen und auch den Medien und Dokumentarfilmschaffenden eine gute Gelegenheit zur Berichterstattung zu geben.

Von den Journalist*innen wird erwartet, dass sie sich vorab bei MECOM per Mail an coderood-mecom@riseup.net oder bei der Ankunft im Camp melden. Journalist*innen werden manchmal von MECOM begleitet. Alle Medien, Journalist*innen, Fotograf*innen und Dokumentarfilmer*innen erhalten von der Mediengruppe ein Schlüsselband, welches sie Teilnehmer*innen des Camps auf Wunsch zeigen können, um klar zu stellen, dass sie mit dem Wissen der MECOM-Gruppe vor Ort sind. Wenn sie Teilnehmer*innen befragen wollen, müssen sie den / die Teilnehmer*in immer sofort darüber informieren, dass sie Journalist*innen sind. Die Teilnehmenden können jederzeit die Zusammenarbeit verweigern und sich an die Pressesprecher*in wenden. Namen von Teilnehmenden dürfen nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Teilnehmer*in genannt werden.

Nur in den zwei Stunden nach dem Mittagessen können Journalist*innen frei im Camp herumlaufen und Aufnahmen in den Gemeinschaftsbereichen machen. Einige Dokumentarfilmer*innen und Journalist*innen sind eingeladen, außerhalb dieser Zeiten zu berichten. Ihr könnt das jederzeit gerne überprüfen. Zu jeder anderen Zeit darf jede*r nur mit ausdrücklicher Genehmigung aller, auf dem Foto abgebildeten Menschen, fotografieren oder Aufnahmen machen. Denkt bitte auch an die Menschen im Hintergrund.

Während des Plenums dürfen keine Aufnahmen gemacht werden. Auch im Meditationszelt und an den Schlafplätzen sollten keine Fotos gemacht werden, damit mensch sich dorthin zurückziehen kann.

Natürlich darf jede*r mit den Medien sprechen (am Freitag findet ein Pressesprecher*innen-Workshop statt). Die Arbeitsgruppe Medien und Kommunikation organisiert aber auch spezifische “medienfreundliche” Bezugsgruppen mit Menschen, die gerne mit den Medien sprechen und besser vorbereitet sind. Kontaktiere MECOM, wenn du eine solche Aufgabe übernehmen willst.

Tiere im Lager

Ein Klimacamp ist kein guter Ort für unsere vierbeinigen Freund*innen. Bitte lasst sie möglichst zu Hause. Das ist schwierig, aber die Erfahrung in anderen Camps hat leider gezeigt, dass dies notwendig ist. Ein Blindenhund, ein Hund zur emotionalen Unterstützung oder ein anderes Tier, das wirklich bei euch sein muss, damit ihr gut im Camp sein könnt, ist natürlich immer in Ordnung.

Wenn du wirklich keine andere Möglichkeit hast, kannst du deinen Hund mitbringen. Er muss jedoch immer an der Leine sein! Seid euch zudem der Tatsache bewusst, dass Menschen Angst vor Hunden haben können – egal wie freundlich er auch sein mag. Vergewissert euch, dass euer Hund nicht auf dem Gelände kotet und seid nicht wütend, wenn euch jemensch auf das Verhalten eures Hundes anspricht. Lasst euren Hund nicht ins Meditationszelt, ins Erste-Hilfe-Zelt und in die  Küche!

Nehmt keine Tiere mit in die Aktion!

Top-less: Was hat ein nackter Oberkörper mit Privilegien zu tun?

Wenn es heiß ist, ziehen viele Leute ihre T-Shirts aus. Das kann sich wunderbar frisch und frei anfühlen, aber es hat auch mit breiteren sozialen Mustern von Privilegien und Unterdrückung zu tun, denn einige sind darin freier als andere. Darüber hinaus kann es für andere Menschen unangenehm sein, wenn ihr mit entblößtem Oberkörper herumlauft. Da sich nicht jede*r der Sensibilitäten im Zusammenhang mit diesem Thema bewusst ist, haben wir die folgende Richtlinie mit Erläuterungen für unser Treffen im Lager ausgearbeitet.

In unserer Gesellschaft wird ein männlicher, nackter Oberkörper (der den westlichen Schönheitsidealen entspricht) gesellschaftlich akzeptiert, während die Körper von Frauen* und Trans*menschen objektiviert und sexualisiert werden. Menschen, die vom Sexismus betroffen sind, aber oben ohne herumlaufen, werden mit Menschen konfrontiert, die sie anstarren, verurteilen und  Kommentare und andere Grenzüberschreitungen von sich geben. Diese Sexualisierung führt zu einem gesellschaftlichen Tabu: Während Männer ihre T-Shirts relativ frei ausziehen können, müssen weibliche Brustwarzen im öffentlichen Raum abgedeckt werden.

Wir leben auch in einer Gesellschaft, in der sexuelle Gewalt keine Ausnahme ist, sondern eine soziale Realität. Für Menschen, die mit sexueller Gewalt zu kämpfen hatten, kann die unerwünschte Konfrontation mit einem männlichen nackten Oberkörper unangenehme Erinnerungen an die Oberfläche bringen und damit emotionalen Stress verursachen.

Natürlich kann die Entblößung des Oberkörpers auch als ein Akt der Emanzipation gesehen werden, um repressiven sozialen Normen entgegenzuwirken und einen Körper zu befreien. Dies ist jedoch ein längerer sozialer Prozess, und es kann nicht von jede*r erwartet werden, dass er / sie sich als in diesem Prozess fortgeschritten betrachtet. Deshalb ist es wichtig, dass die Menschen selbst entscheiden können, ob und wann sie nackte Menschen treffen.

Auch wenn wir für eine andere und bessere Welt kämpfen, kommen wir alle aus einer Gesellschaft mit heterosexistischen, normativen Idealen über Schönheit und eine sexuell gewalttätige Kultur. Wir hoffen daher, dass dieses Camp ein Ort sein kann, an dem wir uns unserer Privilegien bewusst werden und mit Alternativen experimentieren können. Auch hier müssen wir unsere Grenzen und insbesondere die anderer anerkennen. Das Camp ist keine Utopie, sondern ein Weg dorthin.

Im Zusammenhang mit den obigen Überlegungen bitten wir alle, nachzudenken, bevor ihr euer T-Shirt auszieht. Wenn du dein T-Shirt ausziehen willst, frag die Leute um dich herum, ob sie es für okay halten. In Plenumsitzungen, Workshops, beim Essen und im Erste-Hilfe-Zelt, im Meditationszelt und im Informationszelt werden alle gebeten, Oberbekleidung zu tragen.

Alkohol und Drogen

Wir verstehen, dass ein alkoholischer Snack zu gegebener Zeit angenehm sein kann. Wir bemühen uns, das Lager weitgehend alkoholfrei zu halten. Deshalb haben wir mehrere Zonen eingerichtet, in denen ihr euch einen Drink genehmigen könnt (z.B. die Bar).

Raucht nicht in den Zelten! Manche Menschen können Rauch nicht ertragen. Zudem besteht Brandgefahr und alle Zigarettenstummel müssen wieder eingesammelt werden. Aus diesen Gründen bitten wir euch, nur in den oben genannten Bereichen zu rauchen.

Nehmt im Camp keine harten Drogen.

Während der Aktion am Samstag, den 24. Juni, sind wir alle völlig nüchtern! Auch für das Rauchen gelten andere Regeln. Wenn wir uns zum Beispiel in der Nähe von Kohle oder Diesel befinden, dann ist es gefährlich zu rauchen – deshalb werden wir das dort definitiv nicht tun. Während der allgemeinen Aktionseinweisung am Freitagabend wird es mehr Infos zu Sicherheitsrisiken und Richtlinien während der Aktion geben.

Sicherheit

Wir sind eine große Gruppe von Menschen und müssen deshalb gut aufeinander achten. Macht kein Feuer in der Nähe von trockenem Gras und Zelten.

Wir gestalten das Camp gemeinsam und das bedeutet, dass wir das Camp auch gemeinsam sichern müssen. Wenn ihr verdächtige Personen seht, meldet das bitte am Infopunkt oder den Personen, die die gerade Wachdienst haben (Telefonnummer ist im Infozelt angegeben).

Es gibt Tag und Nacht Wachschichten. Wenn du eine Schicht übernehmen willst – sehr gerne!

Im Notfall schlagen wir Alarm. Wenn ihr das hört, versammelt euch sofort im Zirkuszelt! Nachts gilt das Gleiche. Die Situation kann mitunter unsicher sein, deshalb ist es gut, schnell bereit zu sein.

Politische und andere Parteien im Camp und während der Aktion

Das Camp und die Aktion sind natürlich gute Orte, um zu zeigen, für welche Partei, Organisation oder Gruppe mensch sich engagiert. Es ist nicht nur interessant, die verschiedenen Hintergründe zu sehen, sondern es ist auch ein guter Zeitpunkt für eine Party, um Werbung zu machen und miteinander zu sprechen. Auch dafür gibt es Platz, z.B. für eure Flyer und Sticker im Infozelt.

Wir fordern jedoch Gruppen, Organisationen und Parteien auf, mit ihrem “Branding” vorsichtig zu sein. Das Aufhängen einer Fahne oder das Tragen eines T-Shirts ist natürlich in Ordnung. Zwanzig große Fahnen und ein riesiges Banner nicht. Dies kann dominant sein und das Image und die Atmosphäre des Camps und des Geschehens in hohem Maße beeinflussen. Code Rood wird horizontal von unten nach oben von Personen organisiert, die sich freiwillig diesem Projekt widmen. Es ist daher die Absicht, dass wir als Gruppe eine Erklärung abgeben, nicht, dass die Parteien einen Anspruch auf die Bemühungen anderer erheben.

Insbesondere (parlamentarische) politische Parteien sind aufgefordert, sich zurückhaltend zu verhalten. Personen, die Mitglieder politischer Parteien sind, sind willkommen, dem Camp und der Aktion als Einzelpersonen beizutreten (anstatt ihre Partei zu vertreten). Politische Parteien können ihre Unterstützung als Organisation erklären, indem sie unser Grundsatzpapier unterzeichnen (oder eine Solidaritätserklärung abgeben) und das auf ihrer Website veröffentlichen oder in ihren sozialen Netzwerken verbreiten.