Bezugsgruppen

In massenhaften Aktionen des zivilen Ungehorsams hat die Erfahrung gezeigt, dass wir feste Bezugsgruppen brauchen, um zusammen zu bleiben und uns gut umeinander zu kümmern. So funktioniert Code Rood auch in diesem Jahr wieder. Also sucht euch drei bis dreizehn andere Menschen, mit denen ihr euch für die Aktion in einer Bezugsgruppe zusammenfindet!

Was ist eine Bezugsgruppe?

Eine Bezugsgruppe ist eine Gruppe von 4 bis 12 Personen, die sich gegenseitig vertrauen und gemeinsam an direkten Aktionen teilnehmen. Diese Gruppengröße ermöglicht es jede*r, genügend Zeit zum Reden zu haben. Bezugsgruppen haben zwei Hauptfunktionen:

  • Sie sind der beste Weg, um das Individuum während einer Demonstration, einer direkten Aktion oder einer ähnlichen Veranstaltung zu schützen. Bezugsgruppen sind dazu da, sich um die Belange und Bedürfnisse des anderen zu kümmern. In eurer Bezugsgruppe kümmert ihr euch umeinander, besprecht, wie weit ihr gehen wollt, wie ihr euch fühlt und was ihr tun wollt. Normalerweise versucht ihr auch, gemeinsam von der Aktion zurückzukommen.
  • Bezugsgruppen sind ein wichtiger Teil der autonomen Selbstorganisation. Einerseits ermöglicht diese Struktur ein effektives Arbeiten großer Gruppen, beispielsweise wenn Entscheidungsstrukturen um ein Delegationssystem (auch Sprecher*innenrat genannt) herum aufgebaut werden. Sie bieten den Teilnehmer*innen auch die Möglichkeit, nicht nur zu folgen, sondern auch mit eigenen Ideen und Plänen zur direkten Aktion beizutragen.

Buddies

Innerhalb der Bezugsgruppe teilt man sich in kleinere Einheiten, die man Buddies nennt: 2 Personen (ein Tandem) oder 3 Personen (ein Tridem), die unter allen Umständen zusammenbleiben. Wenn ihr beispielsweise eine Gruppe von fünf Personen seid, dann könnt ihr euch in ein 2er Buddy-Team und ein 3er Buddy-Team aufteilen. Mit Blick auf Buddy-Paare ist es auch ratsam, eine Bezugsgruppe aus einer geraden Anzahl an Menschen zu bilden.

Stellt euch vor, dass eine*r von euch etwas passiert – ihr werdet verletzt, verhaftet etc. – dann kann er / sie seinen/ihren Buddy(s) unterstützen. Die anderen in der Bezugsgruppe können dann entscheiden, ob sie ebenfalls zurückbleiben oder mitmachen. Wenn ihr die Blockadepunkte erreicht habt, könnt ihr gemeinsam gemeinsam denken und entscheiden: Wer bleibt hier? Wer will woanders hin? Wer will zurück? Wichtig ist, dass niemand allein steht!

Wer bildet eine Bezugsgruppe?

Oft werden Bezugsgruppen von Menschen mit ähnlicher Aktionserfahrung gebildet. Aber das ist nicht nötig. Viel wichtiger ist, dass eure Vorstellungen von der Aktion vergleichbar sind. Wie weit seid ihr bereit zu gehen? Wie lange wollt ihr bleiben? Wie verhaltet ihr euch gegenüber anderen, z. B. der Polizei?

Je besser ihr euch als Gruppe kennt, desto einfacher ist es, Entscheidungen zu treffen und desto besser werdet ihr das hinbekommen. Nehmt euch vor Beginn der Aktion die Zeit, euch kennenzulernen und mögliche Szenarien zu diskutieren!

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Leute kennen zu lernen, mit denen mensch eine Bezugsgruppe bilden kann. Wenn ihr Leute kennt, die ihr mobilisieren könnt – dann habt ihr es dahingehend etwas einfacher. Auch wenn nicht, gibt es viele Möglichkeiten. Auf diese Weise könnt ihr auf einem Aktionstraining Menschen treffen, die auch an der Aktion teilnehmen wollen. Aber auch im Camp gibt es noch Momente, in denen sich Bezugsgruppen bilden können!

Siehe auch die Checkliste!